PRIVATE MARKETS
Unsicherheit in Chancen verwandeln: Aufwind für Private Credit Secondaries
Da Private Credit für die meisten institutionellen Investoren zu einer Kernallokation geworden ist, entsteht zunehmend ein reifer Secondaries-Markt. Er hat sich zu einem wesentlichen Bestandteil entwickelt, dessen Attraktivität stetig zunimmt.
Diese Entwicklung zeigt sich im Rekord-Fundraising von USD 16,7 Mrd. bei Credit Secondaries im Jahr 2025 – womit die Summe der drei Vorjahre übertroffen wurde – so der aktuelle Private-Credit-Ausblick der Datenanalyseplattform With Intelligence.1 Dieser Aufwärtstrend dürfte sich fortsetzen.
Allianz Global Investors baut seine Plattform für Private Credit Secondaries gezielt und kontinuierlich aus – und der Zeitpunkt dafür ist bewusst gewählt. In den vergangenen Monaten stand Private Credit häufig im Fokus der Berichterstattung, wobei verschiedene Marktsegmente durch Schlagzeilen Aufmerksamkeit auf sich zogen. Dennoch zeigt sich unserer Einschätzung nach eine Diskrepanz zwischen der Marktstimmung und den zugrunde liegenden Fundamentaldaten. Erfahrene Secondaries-Investoren sind gut positioniert, um in diesem Umfeld attraktive Chancen zu identifizieren.
Secondaries sind seit Langem ein fester Bestandteil des Private-Equity-Marktes und gewinnen zunehmend auch im Bereich Private Credit an Bedeutung. Obwohl sie mitunter als „Second-Hand“-Investments bezeichnet werden, sind sie alles andere als zweitklassig. Je nach Reifegrad eines Fonds, den vorherrschenden Marktbedingungen und der Situation des Verkäufers können Secondaries institutionellen Investoren attraktive Einstiegspunkte und wertvolle Unterstützung beim Portfolioaufbau bieten. Es überrascht daher nicht, dass laut einem aktuellen Bericht von Campbell Lutyens in dessen jüngstem Private-Credit-Market-Report 38 % der globalen Investoren aktiv in Private Credit Secondaries investieren. Das entspricht einem Anstieg von 10 % gegenüber 2025.2
Private Credit Secondaries sind längst über ein Nischensegment hinausgewachsen. Begünstigt wurde diese Entwicklung durch die in den letzten 2–3 Jahren spürbar geringere M&A-Aktivität mit weniger Exits. Secondaries werden zunehmend als zentrales Instrument der Portfoliosteuerung eingesetzt: Sie bieten Liquiditätslösungen für Limited Partner (LPs) und General Partner (GPs) und ermöglichen es Secondaries-Investoren zugleich, Zugang zu diversifizierten, reifen Portfolios zu erhalten und Kapital schneller einzusetzen – gerade in einer Zeit, in der Unsicherheit zusätzliche Vermögenswerte an den Sekundärmarkt bringt. Im aktuellen Marktumfeld bleibt eine disziplinierte Zeichnungspolitik entscheidend. Insbesondere große Investoren können häufig auf gut aufgestellte, erfahrene interne Teams zurückgreifen, die Investitionsentscheidungen zügig unterstützen und eine sachgerechte Begleitung während des gesamten Prozesses sicherstellen.
Fundamentaldaten im Fokus
Die jüngsten Marktdiskussionen konzentrierten sich auf die Volatilität im Private-Credit-Markt – darunter die Liquiditätsdynamik bei semi-liquiden Fondsstrukturen und Wealth-Channel-Vehikeln, die wachsende Aufmerksamkeit für das Software-Exposure sowie die Normalisierung der Ausfallraten nach den außergewöhnlich günstigen Jahren der Post-Covid-Zeit. Unserer Ansicht nach müssen diese Entwicklungen im Kontext betrachtet werden.
Insbesondere die Unsicherheit rund um Wealth-Channel-Vehikel hat zu Rücknahmedruck und technisch bedingten Verkäufen geführt – häufig unabhängig von der zugrunde liegenden Kreditqualität. Für Secondaries-Käufer, die in der Lage sind, Vermögenswerte eingehend zu analysieren, hat dies zu Kaufgelegenheiten mit attraktiven Abschlägen geführt. Wichtig ist: Aus unserer Sicht spiegelt dies weniger eine Verschlechterung der Fundamentaldaten wider, sondern ist vielmehr eine Folge von Produktdesign, Anlegerverhalten und Liquiditäts-Timing.
Gleichzeitig profitiert der Kern des institutionellen Private-Credit-Marktes – sponsorengestütztes Direct Lending im Mid-Market-Segment (also die Kreditvergabe an ein Mid-Market-Unternehmen, das sich im Besitz einer Private-Equity-Gesellschaft befindet) – weiterhin von starken Covenant-Strukturen, erstrangig besicherten Positionen und einer aktiven Gläubigerkontrolle. Diese strukturellen Merkmale ermöglichen es Kreditgebern, frühzeitig mit Kreditnehmern und Sponsoren in den Dialog zu treten und so den Wert über Stressphasen hinweg zu erhalten, statt erst spät zu reagieren. Große institutionelle Kreditgeber sind dadurch häufig in einer besseren Position, um Finanzierungsvereinbarungen bilateral zu verhandeln und zu strukturieren und damit Risiken zusätzlich zu mindern.
Warum Credit Secondaries profitieren
Vor diesem Hintergrund entwickeln sich Credit Secondaries zu einem natürlichen Nutznießer des aktuellen Umfelds. Credit Secondaries können vom J-Kurven-Effekt profitieren, indem sie Investoren den Einstieg in reifere Portfolios mit einem Abschlag ermöglichen – das Ergebnis sind schnellere Cashflows, eine frühere Ertragsgenerierung und eine geringere Belastung durch die Anlaufphase im Vergleich zu Primärinvestitionen.
Da Private-Credit-Portfolios in den letzten zehn Jahren gewachsen sind, ist auch der Bedarf an Flexibilität gestiegen. Sowohl LPs als auch GPs nutzen den Sekundärmarkt zunehmend, um den Portfolioaufbau zu steuern, Engagements neu auszurichten und Liquiditätsbedarf zu decken.
Für Investoren bieten Secondaries mehrere Vorteile: Zugang zu reifen Portfolios, größere Transparenz über die zugrunde liegenden Vermögenswerte und die Möglichkeit, Kapital schneller einzusetzen als in Primärfonds. Darüber hinaus ermöglichen es die aktuellen Marktbedingungen, von deutlichen Abschlägen zu profitieren, wobei die Einstiegspreise eine Sicherheitsmarge widerspiegeln können, die im Primärmarkt nur schwer zu erzielen ist – insbesondere für Investoren mit einem starken Netzwerk und einem Primärgeschäft, das Zugang zu den richtigen Transaktionen bietet.
Eine Credit-Secondaries-Strategie sollte global ausgerichtet sein: Die USA sind ein Kernmarkt, da sie den größten Private-Credit-Markt darstellen und damit auch das größte Volumen an Secondaries-Transaktionen generieren; Europa ist ebenfalls eine bedeutende und wachsende Quelle attraktiver Chancen. Bei Secondaries werden Renditen durch den Zugang zu motivierten Verkäufern und zu rabattierten, hochwertigen Portfolios erzielt – und diese Gelegenheiten entstehen nicht gleichmäßig über alle Regionen hinweg. Unterschiedliche regionale Dynamiken – etwa Regulierung, Liquiditätsdruck, Portfolioanpassungen und sich veränderndes Anlegerverhalten – können zu unterschiedlichen Zeitpunkten Marktverwerfungen erzeugen. Ein globales Mandat ist daher nicht nur für die Diversifikation von Bedeutung, sondern auch für die Selektivität. Es erlaubt einem Manager, dort zu allokieren, wo der relativ attraktivste Wert verfügbar ist, statt an ein einzelnes Marktfenster gebunden zu sein.
Hochwertige Portfolios kommen in jedem Marktumfeld auf den Sekundärmarkt, da sich Secondaries für Investoren fest als aktives Instrument der Portfoliosteuerung etabliert haben.
Phasen der Unsicherheit führen jedoch tendenziell zu einem höheren Volumen solcher Gelegenheiten und gehen häufig mit besonders attraktiven Einstiegskonditionen einher.
Für Investoren, die sich weiterhin auf die zugrunde liegenden Kreditfundamentaldaten konzentrieren und einen disziplinierten, langfristig ausgerichteten Ansatz verfolgen, kann das aktuelle Marktumfeld daher ein sehr konstruktives Umfeld für den Kapitaleinsatz sein.
Die Wachstumsgeschichte von Credit Secondaries dürfte sich – ausgehend von dem oben genannten Transaktionsvolumen von USD 20 Mrd. im Jahr 2025 – fortsetzen. Laut Secondaries Investor könnte das jährliche Transaktionsvolumen bei Private Credit Secondaries bis 2030 auf USD 80 Mrd. steigen.3
Softwaresektor rückt in den Fokus
Ein Bereich, der besondere Aufmerksamkeit auf sich zieht, ist Software. Der Sektor bleibt zwar ein wichtiger Bestandteil vieler Private-Credit-Portfolios, dennoch gehen wir beim Erwerb von Vermögenswerten am Sekundärmarkt mit hoher Selektivität an das Software-Exposure heran. Auch zahlreiche Softwareunternehmen sind von Disruption betroffen. Wir führen daher gründliche Bewertungen der Portfoliorisikoprofile durch und berücksichtigen dabei insbesondere das Technologierisiko.
Jedes Portfolio wird im Detail analysiert. Weisen einzelne Softwarekredite ein potenzielles Disruptionsrisiko auf – etwa im Zusammenhang mit der Differenzierung des Geschäftsmodells oder technologischem Wandel –, führt AllianzGI dazu detaillierte Gespräche mit dem originierenden GP. Identifizierte Risiken fließen direkt in die Preisgestaltung ein, wobei die Kaufabschläge so kalibriert werden, dass sie potenzielle Verlustraten überkompensieren.
Diese Preisdisziplin ist ein zentrales Merkmal der Secondaries-Strategie von AllianzGI. Abschläge sind dabei nicht einfach das Ergebnis der Marktbedingungen, sondern ein aktives Instrument, um Unsicherheit zu steuern und das Abwärtsrisiko in verschiedenen Szenarien zu begrenzen. Zudem tragen sie dazu bei, das Risiko-Rendite-Profil zu optimieren. Unser umfangreiches GP-Netzwerk verschafft uns dabei einen differenzierten Zugang und eine Informationstiefe, die es uns erlaubt, Vermögenswerte mit hoher Überzeugung zu zeichnen und Risiken angemessen zu bepreisen.
Größe, Zugang [und Disziplin
Da sich Credit Secondaries zunehmend institutionalisieren, kommt es bei Zugang und Sourcing immer stärker auf einen Faktor an: die Größe der Primärplattform. Als einer der größten Investoren im Bereich Private Credit4 verfügen wir häufig über einen früheren, breiteren und konsistenteren Zugang zu Managern und Portfolios – ein klarer Sourcing-Vorteil, wenn sich Secondaries-Gelegenheiten ergeben. Komplexe und große Transaktionen am Markt finden daher sehr häufig zwischen langjährigen Partnern statt, die seit Langem am Markt präsent sind und ihre Umsetzungsstärke unter Beweis gestellt haben.
Disziplin ist besonders dann wichtig, wenn sich die Marktbedingungen verschärfen. Der Fokus auf die eigenen Kernkompetenzen, konservative Annahmen und eine sorgfältige Strukturierung von Transaktionen sind entscheidend, um belastbare Ergebnisse im Private-Credit-Bereich zu erzielen. Verstärkt wird dies durch den Zugang zu umfangreichen Datensätzen, einer fundierten Modellierung und einer breiten Diversifikation – all dies unterstützt eine robuste Risikobewertung und eine fundierte Entscheidungsfindung.
In Kombination mit diesem Sourcing-Vorteil ermöglicht die disziplinierte Zeichnungspolitik von AllianzGI dem Team, schnell zu handeln, Portfolios eingehend zu prüfen und Risiken auch bei größeren und komplexeren Secondaries-Transaktionen überzeugt zu bepreisen.
Disziplin trifft auf Renditepotenzial
Credit Secondaries können im aktuellen unsicheren Marktumfeld gut gedeihen. Die Kombination aus strukturellem Wachstum von Private Credit über die letzten Jahrzehnte, der zunehmenden Nutzung des Sekundärmarktes durch LPs und GPs sowie punktuellem Verkaufsdruck durch Wealth-Channel-Vehikel erweitert das Chancenspektrum. Das gilt für Investoren, die diszipliniert bleiben, sich auf die Fundamentaldaten konzentrieren und über einen guten Marktzugang verfügen, um sich bietende Gelegenheiten nutzen zu können. Dieses Umfeld bietet das Potenzial, ein diversifiziertes Portfolio zu attraktiven Einstiegspunkten aufzubauen und dabei einen starken Fokus auf das Risikomanagement zu bewahren. Mit der fortschreitenden Reife des Private-Credit-Marktes erwarten wir, dass Secondaries eine zunehmend zentrale Rolle dabei spielen werden, Investoren Flexibilität und langfristigen Mehrwert zu bieten. Secondaries sind dann keine zweite Wahl mehr, sondern können eine erstklassige Chance darstellen.
1 With Intelligence, S&P Global, Private Credit Fundraising Report 2025.
2 Campbell Lutyens, Private credit market report 2025 | Campbell Lutyens, Januar 2026.
3 Secondaries Investor, Private credit secondaries could reach $80bn by 2030, Februar 2026.
4 PDI, Private Debt Global Investor 75, privatedebtinvestor.com/global-investor-ranking/