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Infrastructure Debt im Wandel: fünf Fragen

Fünf Fragen an Matt Norman, Head of Infrastructure Debt: Wie Digitalisierung, Energiewende und Geopolitik Infrastructure Debt prägen

1. Wie beschreiben Sie die aktuelle Lage am Infrastructure-Debt-Markt, und welche wesentlichen Einflussfaktoren prägen ihn derzeit?

Der Infrastructure-Debt-Markt ist mit hoher Dynamik in das Jahr 2026 gestartet. Grundlage hierfür ist ein Marktumfeld mit einem Rekordemissionsvolumen im Jahr 2025: Weltweit wurden 2.300 Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von mehr als 1 Billion US-Dollar abgeschlossen – ein Anstieg von über 30 % gegenüber 2024.1 In mehreren europäischen Kernmärkten, darunter Großbritannien, Deutschland und Spanien, sowie in den USA war ein solides Transaktionsvolumen zu verzeichnen.

Getragen wird diese Entwicklung von den langfristigen Megatrends Energiewende und Digitalisierung. Darüber hinaus bietet der Bereich Transport und Logistik attraktive Investitionsmöglichkeiten, insbesondere dort, wo Lieferkettenresilienz und Dekarbonisierung im Fokus stehen.

Die beträchtliche Zahl großvolumiger „Jumbo“-Transaktionen mit einem Volumen von jeweils mehr als 3 Milliarden US-Dollar, die 2025 abgeschlossen wurden, unterstreicht die solide Verfassung und Vielfalt des Infrastructure-Debt-Marktes sowie die anhaltend hohe Nachfrage seitens der Investoren.

2. Digitale Infrastruktur und Anlagen im Zusammenhang mit der Energiewende stehen bei vielen Investoren im Fokus. Wo sehen Sie aus Infrastructure-Debt-Perspektive derzeit die attraktivsten Chancen im Bereich digitale Infrastruktur?

Wir sehen im Digitalsektor einige zentrale Bereiche, in denen die Nachfrage nach privatem Kapital weiterhin robust ist: den Ausbau von Glasfasernetzen und die Entwicklung von Rechenzentren, insbesondere für Hyperscaler und Multi-Tenant-Anbieter.

Im Glasfaserbereich sehen wir attraktive Möglichkeiten, Kapital in verschiedenen Wachstumsmärkten einzusetzen. Diese zeichnen sich durch transparente regulatorische Rahmenbedingungen, solide Fundamentaldaten, angemessene Markteintrittsbarrieren zur Begrenzung des Risikos eines übermäßigen Netzausbaus sowie etablierte Brownfield-Betreiber aus. Bestimmte Marktsegmente, insbesondere Fibre-to-the-Home („FTTH“), standen zuletzt unter Druck. Wir rechnen mit einer künftigen Konsolidierung, aus der sich potenzielle M&A-Chancen ergeben dürften.

Wir vertreten seit jeher die Auffassung, dass der FTTH-Markt für institutionelle Investoren mit Investment-Grade-Fokus erst dann geeignet ist, wenn die betreffenden Anlagen eine gefestigte Marktposition erreicht haben und stabile Cashflows generieren. Investitionen in diesem Sektor können daher sinnvoll sein – vorausgesetzt, das Risiko-Rendite-Profil ist angemessen.

Bei Rechenzentren bestehen derzeit deutliche Unterschiede zwischen der Marktaktivität in den USA und in Europa. In den USA ist die Aktivität robust und von zahlreichen großvolumigen Transaktionen im Milliardenbereich geprägt. Europa befindet sich hingegen noch in einer früheren Entwicklungsphase und muss Herausforderungen wie Stromverfügbarkeit, Genehmigungsverfahren und Netzanschlüsse bewältigen.

Dennoch beobachten wir im Rechenzentrumssektor zahlreiche attraktive Projekte mit unterschiedlichen Merkmalen. Dazu zählen insbesondere Vorhaben mit einem hohen Colocation-Anteil, tragfähigen vertraglichen Rahmenbedingungen sowie bonitätsstarken Vertragspartnern.

3. … und wo sehen Sie die attraktivsten Chancen im Bereich der Energiewende?

Nach Angaben der Europäischen Kommission und der Internationalen Energieagentur sind bis 2030 Investitionen von mehr als 500 Milliarden Euro in die europäischen Stromnetze erforderlich. Großvolumige Investitionsmöglichkeiten bestehen insbesondere in den Bereichen Offshore-Windenergie und Stromnetze. Der enorme Kapitalbedarf veranlasst Energieversorger und Projektentwickler dazu, innovative Lösungen zu entwickeln, um privates und öffentliches Kapital umfassend zu mobilisieren und die Finanzierungslast breiter zu verteilen.

Auch in den Bereichen dezentrale Energieerzeugung, Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge, Batteriespeichersysteme sowie Onshore-Wind- und Solarenergie bleibt das Spektrum an Investitionsmöglichkeiten äußerst attraktiv. Zahlreiche Projektentwickler und Plattformen im mittleren Marktsegment verfügen über eine solide Pipeline genehmigter Anlagen. Um deren Wertpotenzial zu erschließen, benötigen sie jedoch neben Kapital auch fachliche Unterstützung und Strukturierungskompetenz.

Daraus ergibt sich ein attraktiver Zufluss an Greenfield-Investitionsmöglichkeiten auf unterschiedlichen Ebenen der Kapitalstruktur. Besonders gefragt ist kurzfristigeres Kapital zur Überbrückung spezifischer Situationen auf Ebene einzelner Anlagen – etwa im Zusammenhang mit Veräußerungen, dem Ausstieg eines Sponsors oder der Sicherung von Stromabnahmeverträgen (Power Purchase Agreements, PPAs) beziehungsweise sonstigen Abnahmeverträgen.

Im Mittelpunkt stehen dabei solide Fundamentaldaten der jeweiligen Anlagen sowie ein starker Interessengleichlauf mit dem Sponsor.

4. Wie wirkt sich die gegenwärtige geopolitische Volatilität auf Infrastructure Debt aus – insbesondere mit Blick auf Risikobewertung und Strukturierung?

Angesichts der anhaltenden geopolitischen Unsicherheit und der Herausforderungen in einzelnen Marktsegmenten gehen wir davon aus, dass Infrastructure Debt für institutionelle Investoren zunehmend an Attraktivität gewinnen wird. Ausschlaggebend sind die grundlegenden Merkmale der Anlageklasse: stabile und planbare Erträge, ein gewisser Inflationsschutz sowie Diversifikationsvorteile gegenüber traditionellen Public Markets.

Die Widerstandsfähigkeit des Risikoprofils der Anlageklasse wurde in den vergangenen fünf Jahren durch verschiedene außergewöhnliche Ereignisse auf die Probe gestellt – darunter die Covid-19-Pandemie, geopolitische Schocks wie der Krieg in der Ukraine und ein von hoher Inflation geprägtes Umfeld. Insgesamt hat sich Infrastructure Debt dabei sehr gut behauptet.

Der Sektor wird institutionellen Investoren auch künftig ein breites Spektrum an Risiko-Rendite-Profilen bieten. Dies gilt insbesondere für Investoren, die Transaktionen in großem Umfang erschließen können und über die erforderliche Erfahrung sowie eine geeignete Plattform verfügen, um sich auf globalen Märkten erfolgreich zu bewegen. Diese Fähigkeiten gewinnen angesichts des zunehmenden Wettbewerbsdrucks und der hohen Liquidität im Markt weiter an Bedeutung.

Investoren sollten sich konsequent auf die fundamentale Kreditqualität konzentrieren und zugleich zentrale, neu entstehende Risiken im Blick behalten. Dazu zählen Konsolidierungs- und Overbuild-Risiken im Glasfasermarkt, die Abregelung erneuerbarer Energien, die Volatilität von Merchant-Power-Preisen sowie Baurisiken, da die Resilienz der Lieferketten erneut auf die Probe gestellt wird.

5. Infrastructure Debt macht bei vielen institutionellen Investoren noch immer nur einen relativ kleinen Teil der Allokation aus. Erwarten Sie hier eine Veränderung – und welche Faktoren könnten diese Entwicklung vorantreiben?

Infrastrukturallokationen machen nach wie vor nur einen kleinen Teil der Gesamtportfolios vieler institutioneller Investoren aus. Angesichts zunehmender geopolitischer Unsicherheit, des verstärkten Strebens nach strategischer Souveränität sowie des wachsenden Fokus auf Energiesicherheit und -unabhängigkeit dürfte sich das strukturelle Umfeld für diese Anlageklasse weiter verbessern. Dies gilt insbesondere für Europa, wo die wirtschaftlichen Kosten von Energiepreisschocks erheblich sein und sich ungleich verteilen dürften.

Infrastructure Debt kann attraktive Renditen und ein vorteilhaftes Liquiditätsprofil bieten. Investment-Grade-Finanzierungen boten im vergangenen Jahr Renditen von 4,5 bis 5,0 % in Euro und von 6,0 bis 6,5 % in britischen Pfund. Gegenüber Public-Markets-Benchmarks bieten sie weiterhin einen attraktiven Relative Value. Auch Cross-over- und subordinated Debt weisen entlang der Zinskurven in Euro und US-Dollar einen attraktiven Relative Value auf.

Da diese strukturellen Faktoren weiter an Bedeutung gewinnen, ist Infrastructure Debt gut positioniert, sich von einer Nischenallokation zu einem zentralen Baustein institutioneller Portfolios zu entwickeln. Darüber hinaus dürften die günstige regulatorische Behandlung – beispielsweise im Rahmen von Solvency II in Europa – sowie Reformen der Altersvorsorgesysteme die Verbreitung und Zugänglichkeit von Infrastructure Debt zusätzlich fördern.

1 Schätzungen auf Grundlage von Infralogic-Daten; Auswertung vom März 2026.

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